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Life+ Natur

Kiebitznest in den feuchten Flächen der Hetter.
Naturbeobachtungen

17.04.17

Die feuchten Wiesen locken zahlreiche Durchzügler und Brutvögel

Die feuchten Flächen in der Hetter sind attraktiv für die Vogelwelt. Wie sehr, zeigen mal wieder die aktuellen Beobachtungen. Als besondere Highlights konnten in den letzten Tagen ca. 20... [mehr]

Bestandsentwicklung

1. Aktueller Bestand
2. Bedeutung des Brutbestandes der Hetter
3. Bestandsentwicklung

Aktueller Brutbestand

Bereits die ersten Zählungen am Schlafplatz ließen erahnen: 2009 kamen weniger Uferschnepfen in die Hetter zurück, als im Vorjahr (Foto: A. Barkow, NABU-Naturschutzstation, März 2009).
Balzende Uferschnepfe (Foto: H. Glader, BioStation Kr. Wesel).

 In der Hetter konnten, nach positiver Entwicklung von 2009 bis 2011 (34 über 45 auf 53 Paare) im Jahr 2012, genau 43 Brutreviere der Uferschnepfe ermittelt werden. Auch in anderen Wiesenvogelschutzgebieten, wie z.B. in der Düffel konnten in 2012 weniger Brutpaare beobachtet werden. Bemerkenswert ist das Vorkommen in 2011 zu bewerten. Mit 53 Brutpaaren konnten erstmals seit Mitte der 1990er Jahre wieder über 50 Uferschnepfen-Reviere gesichtet werden. 2012 ist mit 43 Revierpaaren noch immer über dem Durchschnitt der letzten 11 zusammenhängend erfassten Jahre (im Mittel 40,5 Revierpaare). In 2013 näherten sich die Revierzahlen mit 39 festgestellten Revieren diesem Wert wieder an.
Erstaunlich früh trafen die ersten Uferschnepfen 2012 und 2013 ein. So konnten bereits in beiden Jahren am 8. März mehrere Uferschnepfen im Projektgebiet erfasst werden. Mitarbeiter des Projektes fanden von da an insgesamt 12 Nester.
Die schon in den Vorjahren beobachtete Verlagerung der Reviere in Richtung Westen stagnierte in den letzten beiden Jahren. 

Mögliche Ursachen für den Rückgang

Im Vergleich zum Vorjahr sind keine erkennbaren Veränderungen im Brutgebiet selbst eingetreten. Vielmehr war gleich zu Beginn der Brutsaison festzustellen, dass erheblich weniger Uferschnepfen in die Hetter zurückkehrten, als das in den Vorjahren der Fall war. Zwei Gründe können hierfür angenommen werden: Die fehlenden Tiere sind entweder abgewandert oder gestorben. 
Für Abwanderung spricht eigentlich nicht viel, weil sich erstens in der Hetter selbst nichts Augenscheinliches verändert hat und weil zweitens auch attraktive, neue Lebensräume als Alternative fehlen. So müsste also von einer hohen Sterblichkeit ausgegangen werden. Unklar ist, ob die Art in dem Fall vor allem erhebliche Verluste auf dem Zugweg zu verkraften hatte oder ob sich der Hetter-Brutbestand in einer Phase der allgemeinen Überalterung befindet, die mit einer hohen Sterblichkeit verbunden ist. 

Vielleicht nur eine Brutpause eingelegt? 

Eine weitere mögliche Erklärung könnte allerdings auch sein, dass die Uferschnepfen in diesem Jahr eine "Brutpause" eingelegt haben. Das kann vorkommen, wenn die Tiere geschwächt sind oder ihren Lebensraum in keinem optimalen Zustand vorfinden und deshalb für eine erfolgreiche Brut nur geringe Aussichten bestehen. Dann investieren die Schnepfen lieber in bessere Körperkondition und Überlebenschancen und die Brut wird auf das nächste Jahr verschoben. Für einen langlebigen Vogel wie die Uferschnepfe kann sich eine solche Strategie langfristig als günstiger erweisen. 

Bedeutung des Brutbestandes der Hetter

Uferschnepfe und Rotschenkel im Brutgebiet (Foto: A. Vossmeyer, Naturschutzzentrum i.K. Kleve, Juni 2006)
Uferschnepfen und Schafstelze in der Hetter (Foto: D. Doer, NABU-Naturschutzstation, Juni 2008).
Uferschnepfe mit flüggem Jungvogel (Foto: A. Barkow, NABU-Naturschutzstation, Juli 2009).

Im Jahr 2005 wurde der Brutbestand der Uferschnepfe in Deutschland auf 4.700 Brutpaare geschätzt. Tendenz: extrem starke Abnahme von über 50 % in den letzten 25 Jahren (Südbeck et al. 2007: Rote Liste der Brutvögel Deutschlands, Ber. Vogelschutz 44: 23-81). Das konnte auch am Unteren Niederrhein festgestellt werden. Wurden im Zeitraum 1979-1983 noch bis zu 300 Brutpaare festgestellt, nahm die Anzahl von da an stetig ab (1994-1998: 100-150, 2000-2005: 50-81) (Wille et al. 2009). Besonders die Bodenbrüter, also viele Wiesenvögel zeigen seit Jahrzehnten einen negativen Trend.
In Nordrhein-Westfalen wurden 2007 etwa 200 Brutpaare erfasst. Erfreulich, dass auf die Hetter davon allein 41 entfielen. Auch unter Berücksichtigung nicht erfasster Brutreviere, z.B. in der Düffel, beherbergt das Naturschutzgebiet weit über 10 % des nordrhein-westfälischen Uferschnepfenbestandes. Mit bis zu 25 Brutpaaren auf 100 ha wird in der Hetter eine auch im internationalen Vergleich nur selten zu beobachtende Dichte erreicht.

 

Bestandsentwicklung

Brutbestandsentwicklung der Uferschnepfe in der Hetter seit 1970 bis 2012

Auch in der Hetter zeigt sich der europaweit festzustellende starke Bestandsrückgang der Art. Von 180 Brutpaaren in den 1970er Jahren brüteten Anfang der 1990er mit 90 Paaren nur noch die Hälfte in der Hetter. Seit 1995 bis heute konnten nicht mehr als 50 Brutpaare, mit Ausnahme im Jahr 2011, in einem Jahr festgestellt werden. Es lässt sich aber auch erkennen, dass sich der Brutbestand seitdem auf einem Niveau zwischen 25 und 50 Brutpaaren zu stabilisieren scheint. Jährliche Schwankungen sind bei dieser Art durchaus die Regel und Jahre mit 49 Brutpaaren wie 2003 machen durchaus Hoffnung. Jetzt gilt es, den Brutbestand über die geeigneten Maßnahmen im LIFE+ Projekt weiter zu stabilisieren, den Bruterfolg zu erhöhen und somit mittelfristig die Bestandsentwicklung ins Positive zu führen. Wir sind sehr gespannt auf die Anzahl der Uferschnepfenpaare in diesem Jahr.