Uferschnepfe >  Biologie 

Life+ Natur

Naturbeobachtungen

07.03.17

Die Uferschnepfen sind zurück inder Hetter

Nachdem es in den letzten Wochen reichlich geregnet hatte, präsentieren sich die Flächen in der Hetter pünktlich zur Ankunft der Vögel wunderbar feucht. Einige Ornithologen hatte die Tiere schon... [mehr]

Einleitung

Die Uferschnepfe gehört zur Gruppe der Watvögel. Diese zeichnen sich in der Regel durch lange Beine aus, mit denen sie durch feuchte bis nasse Lebensräume "waten" können. Dort finden die auch als Limikolen bezeichneten Vögel ihre Nahrung.

Nach oben

Merkmale

Uferschnepfe auf einem Zaunpfahl (Foto: H. Glader, BioStation Kr. Wesel)

Die Uferschnepfe ist von ihrer Statur her ein typischer Watvogel. Beine und Schnabel sind auffallend lang. Der bei den etwas größeren Weibchen oft über 10 Zentimeter lange Schnabel ist während der Brutzeit orangerot gefärbt. Diese Färbung findet sich auch im Gefieder wieder, das sich in einem warmen orangebraun vom Gesicht über den Hals bis auf das Brustgefieder erstreckt. Dort mischen sich schwarze und weiße Federn dazu, so dass das Orange auf Brust und Bauch individuell unterschiedlich ausgeprägt ist.

Die kurzen Kopffedern liegen ganz eng an und zeichnen einen orange und schwarz gemaserten Scheitel über einem hellen Überaugenstreif. Dunkle Augen und ein langer Hals verleihen diesem eleganten Watvogel ein überaus würdevolles Aussehen.

Nach oben

Lebensraum

Feuchte Senke im Grünland (Foto: D. Doer, NABU-Naturschutzstation; April 2006)
Feuchte Grabenbegleitende Senke im Grünland (Foto: D. Doer, NABU-Naturschutzstation; April 2009)
Blank stehende Senke im Grünland (Foto: D. Doer, NABU-Naturschutzstation; April 2009)

Zur Brutzeit benötigen die Uferschnepfen Feuchtgrünland. Am besten sind weite, offene Flächen, die im Frühjahr noch sehr nass sein sollten. Auf solchen, extensiv genutzten Wiesen und Weiden legen die Schnepfen ihre Nester an, wenn die Vegetation noch kurzrasig ist. Das wird dort erreicht, wo wenig gedüngt wird und wo lange anstehendes Wasser ein frühes Aufwachsen der Vegetation verhindert. Wasserstellen, feuchte Senken oder flache Uferzonen erhöhen die Habitatqualität. Später im Jahr werden auch gerne extensive Viehweiden aufgesucht, weil durch die Beweidung unterschiedliche Vegetationsmuster entstehen. So können die Küken in der höheren Vegetation nach Insekten suchen, während die Altvögel im Boden stochern und die bevorzugten Regenwürmer erbeuten können.

Nach oben

Brutbeginn

Fliegende Uferschnepfe (Foto: H. Glader, BioStation Kr. Wesel)
Uferschnepfen-Gelege (Foto: A. Barkow, NABU-Naturschutzstation)
Gut getarntes Gelege der Uferschnepfe (Foto: A. Barkow, NABU-Naturschutzstation)

Schon wenige Tage nach dem Eintreffen aus den Überwinterungsgebieten im März herrscht rege Betriebsamkeit im Feuchtgrünland der Hetter. Immer wieder erheben sich einzelne Tiere oder vielfach auch kleinere und größere Gruppen und steigen zu den charakteristischen Balzflügen auf. Dabei ertönt durch mehr und mehr Rufer anschwellender Balzgesang der Uferschnepfen: Lange Reihen von "G-rütto  G-rütto"-Rufen, die im Balzflug vorgetragen werden oder aufgeregte "witte-witte-witte" Rufreihen, wenn es am gemeinsamen Schlafplatz einmal Streit gibt. Und den gibt es oft zu Beginn der Brutperiode, weil es ja schließlich darum geht, einen geeigneten Partner, bzw. eine Partnerin für die Brut und vielleicht darüber hinaus zu finden. Gemeinsam wird dann ein Brutrevier besetzt, wo das Männchen mehrere Brutmulden scharrt, von denen das Weibchen dann schließlich die Nestmulde auswählt. Bauherr bleibt dann aber bis zur Eiablage weiterhin das Männchen. Vor allem trockene und frische Grashalme aus der unmittelbaren Umgebung werden verbaut. Das Weibchen legt ab Anfang April in der Regel vier Eier, jeweils im Abstand von 1 bis 2 Tagen. Beide Partner brüten. In Brutpausen oder in der Legephase, wenn die Eier also noch nicht bebrütet werden, ziehen die Schnepfen über dem Nest noch gerne einige Grashalme zusammen. So bleiben die ohnehin gut getarnten Eier beinahe unsichtbar.

Nach oben

Brutgemeinschaft

Schlafplatz der Uferschnepfen in der Hetter - eine feuchte Senke im Grünland (Foto: A. Barkow, NABU-Naturschutzstation; April 2009)
Rotschenkel und Uferschnepfe (von links) fliegen gemeinsam (Foto: A. Vossmeyer, Naturschutzzentrum im Kreis Kleve; Juni 2007)

Eine Brutgemeinschaft bietet Schutz vor Feinden. Dieser ist auch notwendig, denn die proteinreichen Eier sind eine begehrte Beute von Wiesel, Hermelin, Fuchs und Iltis. Und nicht zuletzt versuchen auch Rabenkrähen an die Gelege der Uferschnepfe zu gelangen. Deshalb brüten Uferschnepfen gerne in lockeren Gruppen, aber eben nicht in einer richtigen Kolonie, zusammen. Nähert sich ein potenzieller Feind, so erheben sich sofort alle Brutpaare in die Luft und attackieren laut rufend den Eindringling. In intakten Feuchtgebieten beteiligen sich mit Kiebitz und Rotschenkel noch weitere Arten an solchen Angriffen, so dass potenzielle Nesträuber mit einer enormen Gegenwehr zu kämpfen haben. In der Hetter waren die Uferschnepfen 2009 so erfolgreich, dass nur etwa 15 % der Nester von Säugern und Rabenkrähen ausgefressen wurden.

Jungvögel werden anders verteidigt als Gelege

Interessanterweise ändert sich die Abwehrstrategie der Altvögel schlagartig, wenn die Jungvögel geschlüpft sind. Ab sofort werden dann auch Greifvögel attackiert. Der Grund liegt auf der Hand: Ein Turmfalke oder die Rohrweihe kann mit einem Gelege nicht viel anfangen, wohl aber Schnepfenküken an den eigenen Nachwuchs verfüttern. So kann auch ein Mäusebussard während der Schnepfenbrutzeit unbehelligt auf einem Zaunpfahl sitzen und nach Mäusen Ausschau halten. Sind die ersten Uferschnepfen geschlüpft, wird der Bussard aus der von Uferschnepfen bewohnten Fläche vertrieben.

Nach oben

Jungvögel

Frisch geschlüpftes Uferschnepfen-Küken (Foto: A. Barkow, NABU-Naturschutzstation)

Uferschnepfen sind Nestflüchter. Das bedeutet, dass die Küken schon wenige Stunden nach dem Schlupf, nachdem die Dunenfedern abgetrocknet sind, das Nest verlassen. Die jungen Schnepfenfamilien bewegen sich dann in den ersten Lebenstagen und Wochen in der weiteren Umgebung des Nestplatzes. Die Jungvögel werden nicht gefüttert und sind sofort in der Lage, Insekten und andere Wirbellose von der Vegetation aufzunehmen. Die Altvögel führen und bewachen die Küken und müssen dabei einen Kompromiss finden zwischen einem reichen Nahrungsangebot auf der einen Seite und ausreichender Deckung auf der anderen.

Nach oben